artist talk | 20/7/23 | Kaarina-Sirkku Kurz | Haus am Kleistpark
- 11 Juli | '2023
ARTIST TALK MIT KAARINA-SIRKKU KURZ & DR. CORA WASCHKE
anlässlich der Ausstellung „Vom Fremdsein in der Welt“ im Haus am Kleistpark · Berlin | 20/7/2023
In Kaarina-Sirkku Kurz’ fotografischer Werkreihe vermittelt sich Einsamkeit als ein existenzielles Gefühl „vom Fremdsein in der Welt“.
Wie bereits in früheren Arbeiten der Fotografin steht dabei das Körperempfinden und der Körper als Ausdrucksmittel innerer Zustände im Interesse ihrer Arbeit. Das Bildmaterial ist dabei äußerst heterogen. Ausgehend von Gesprächen über Einsamkeitserfahrungen, überführt Kurz emotionales und physisches Empfinden in Bilder und selbst angefertigte Objekte, die sie wiederum in distanzierter Ateliermanier ablichtet. Andere Dinge wie vertrocknende Pflanzen und Dekorationsgegenstände stammen aus Haushaltsauflösungen Verstorbener, deren Ableben zunächst unbemerkt blieb. In ihrer isolierten Präsenz im Foto werden sie zu sprechenden Zeichen.
Eine weitere Bildgruppe geht auf die Spurensuche der Künstlerin auf Flohmärkten zurück: alten Schwarzweiß-Aufnahmen entnommene, maskenhafte Gesichter, ein trostloses Einfamilienhaus und zuletzt Bilder von der großen weiten Welt, die so fremd erscheint. Die Ambivalenz der Fotografie und die Ambivalenz im Empfindungshorizont spielen hier zusammen. Staubkörner werden zu Sternen. Ein Meer erscheint als zerberstende Erde. Der Himmel wirkt als abweisende Fläche.
Fremdsein in der Welt, so zeigt es Kurz’ Werk, bedeutet ein verunsichertes Verhältnis vom körperlichen und psychischen Subjekt zur Umwelt. Der Rückzug ist nur die Hülle, erfüllt von Sehnsucht.
Cora Waschke
Die deutsch-finnische Künstlerin Kaarina-Sirkku Kurz lebt in Berlin. Sie studierte Fotografie in Bremen, Lahti und Helsinki. Ihre Arbeiten werden national wie international ausgestellt, publiziert, gesammelt, gefördert und ausgezeichnet. 2021/22 erhielt sie das Foto-Arbeitsstipendium des Haus am Kleistpark.
„Grundlage für die Werke der Ausstellung war eine veröffentlichte Liste gefährdeter Pflanzenarten. Die Bilder entwickelten sich durch einen Prozess des Druckens, Malens, Überlagerns und Überarbeitens und wurden dadurch fast monochrom. Obwohl diese Prozesse die Integrität der ursprünglichen Bilder zerstörten, behalten die botanischen Formen eine spektrale Präsenz. Eine neuere Arbeit markiert den Übergang in eine Art anthropozäne Landschaft, in der alle Spuren des Natürlichen durch die säuregelbe Palette ausgelöscht werden. Zuletzt entstand ein Werk, das völlig frei von Bildern ist und aus synthetisch gefärbtem Stoff besteht, der eine Säule oder ein Monument bildet, was seine Zerbrechlichkeit verrät. Es ist eine Art Zeichen, wie ein Ausrufezeichen oder ein Buchstabe, der das Ende oder den Anfang markiert. Das erinnert an den Titel ‚Ashes to Ashes‘ (Asche zu Asche).“ Sally Lewis



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