Cora Waschke

[…] Konrad Hanke, 1987 in Gotha geboren, interessiert sich für die digitale Generierung von Realität. Programmierfehler und ihre Kennzeichnung in diesem digitalen generativen Raum überträgt er in unsere gegenwärtige, alltägliche Umgebung und berührt damit gesellschaftspolitische und philosophische Fragen. […]

> TAZ-Artikel <

TAZ, Dienstag, 28. April 2026 | Kultur, S. 18

Das Interesse an der Fotografie bewegte sich von Beginn an zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite stand der Anspruch, mithilfe des fotografischen Apparats ein objektives Abbild und ein Sehen der Welt zu ermöglichen, das über die Fähigkeiten des menschlichen, täuschungsanfälligen Sehsinns hinausgeht. Auf der anderen Seite wurden mit experimentellen Vorgehensweisen im physikalisch-chemischen Fotoverfahren Bilder erzielt, die Paranormales, sprich Geisterhaftes, nachweisen sollten. Betrachtet man Erwin Kneihsls Fotografien, so wird einmal mehr deutlich, dass diese Pole zusammenwirken. Wir sehen Dinge und Lebewesen in physischer Folgerichtigkeit des Lichtabdrucks. Gleichzeitig lassen der oft starke Schwarz-Weiß-Kontrast, die gezielte Unschärfe und die grobe Körnung – das fotografische Rauschen – das vermeintlich transparente Medium als alchemistischen Vorgang erscheinen. In ihm werden die intersubjektiven Vorstellungsbilder des Künstlers im eigens beschworenen Geist der Fotografie sichtbar. […] C.W.

Pressetext | Press Release

Interest in photography from the beginning has alternated between two poles. On the one hand, there was the aspiration to enable an objective portrayal and a view of the world with the aid of the photographic device, an image which departs from the abilities of the human visual sense which is capable of being deceived. On the other hand, with experimental approaches in physico-chemical photographic procedures, pictures were achieved that should verify the paranormal, that is, the spectral. In considering Erwin Kneihsl’s photography, it is once again clear that these poles work together. We see objects and creatures in physical consequentiality of the light impression. At the same time, the frequently stark black-white contrast, the deliberate lack of focus and the rough grain – the photographic noise – allow the supposedly transparent medium to appear as an alchemistic process. In it, the intersubjective conceptual images of the artist are visible in the expressly conjured spectre of photography. […] C.W.

Erwin Kneihsl · almost | Koenig2 |

KOENIG2 by_robbygreif
Margaretenstraße 5
1040 Vienna

Thomas Helbig zeigt in seiner Ausstellung Creation im AK68 Gemälde, Objekte und Collagen aus den letzten drei Jahren. Der aus Rosenheim stammende Künstler, der nach Aufenthalten in München und London seit langem in Berlin lebt und international ausstellt, ist bekannt für seine sich zwischen Figuration und Abstraktion bewegenden Bilder und Objekte. Die Werke vereinen Elemente aus Kunstgeschichte, Volkskunst oder Populärkultur und weisen in metaphysische Dimensionen sowie abseitige Sphären. […] (C.W.)

> Pressetext <


 AK68 | Ehemalige Polizeiinspektion5 Kaspar-Aiblinger-Platz, Wasserburg am Inn, BY, 83512 Deutschland

„Am Anfang steht das Staunen und Befragen der Welt.“ Kaarina-Sirkku Kurz

Die Künstlerin Kaarina-Sirkku Kurz ist bekannt für ihre fotografischen Werkreihen, in denen sie die Präsenz und Verwandlung von Körpern im wahrnehmenden Blick auslotet.

Ihre weder schmeichelnde noch richtende Kamera dient als vermittelndes, forschendes und schöpferisches Instrument. Sowohl in der Darstellung menschlicher Körper und der von der Künstlerin gefundenen oder selbst hergestellten Objekte als auch in der Präsentationsform der Fotoabzüge werden materielle und haptische Qualitäten betont. Die individuell ausgestalteten Bildwerke erzählen – jedes für sich und in der collagenhaften Zusammenschau – auf poetische Weise von den fokussierten emotionalen und physischen Zuständen, die in komplexen sozialen Zusammenhängen bestehen. […]

Cora Waschke, 2026

vollständiger Pressetext

Die deutsch-finnische Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Fotografie in Bremen, Lahti und Helsinki und schloss ihr Studium an der Aalto University School of Arts mit einem Master of Arts ab (2013). Zu ihren Ausstellungsorten zählen u. a. Baumwollspinnerei in Leipzig (2025), Haus am Kleistpark in Berlin (2023), Sprengel Museum in Hannover (2022), Photographic Gallery Hippolyte in Helsinki (2020), NRW-Forum Düsseldorf (2020), The Finnish Museum of Photography (2013) und C/O Berlin (2013). Sie erhielt Auszeichnungen wie den Nordic Dummy Award und Finnisches Fotobuch des Jahres sowie Stipendien von der Kone Foundation, Stiftung Kunstfonds, Finnish Cultural Foundation und The Arts Promotion Centre Finland.

The artist Kaarina-Sirkku Kurz is known for her photographic series, in which she explores the presence and transformation of bodies under a scrutinizing gaze. 

Her camera, which neither flatters nor judges, serves as a mediating, exploratory and creative tool. Both in the depiction of human bodies and the objects found or created by the artist, as well as in the presentation of the photographic prints, material and tactile qualities are emphasized .The individually composed images tell a poetic story – each on its own and in a collage-like overview – of the focused emotional and physical states that exist in complex social contexts. 

Cora Waschke, 2026

full press release

EMPIRE OF WELCOME

Kerstin Podbiel
Matthias Hesselbacher | sound

curated by Cora Waschke

digital catalog (pdf)
argent
Richard-Sorge-Straße 64
Berlin Friedrichshain
Opening
Saturday 2026–1–31 | 18 – 21:00
Finissage
Sunday 2026-02-15 | 15 – 18:00
+ by appointment

 

KERSTIN PODBIEL

Born in 1983 in Eilenburg, studied fine arts at the Berlin University of the Arts. Exhibition venues i. a. Nizza, Berlin (2025), ZeitZone Gallery, Berlin (2024), Frappant Gallery, Hamburg (2019), Phantom Projects Contemporary Gallery, Troyes/France (2019), Berlin Klondyke, Maribor/Slovenia (2017), Salon Dahlmann, Berlin (2015), Awards: Dorothea Konwiarz Scholarship (2016), Ulrich and Burga Knispel Scholarship (2012), Helmut Thoma Prize (2008)

 

MATTHIAS HESSELBACHER

Born in 1978 in Stuttgart, studied at the Johannes Gutenberg Academy in Mainz and at the Berlin University of the Arts. Exhibition venues i. a. (sound & installation/ paintings:) Liebfrauenkirche, Duisburg (2025). Nachschlag, Berlin (2025), WestGermany, Berlin (2024), Bourouina Gallery, Berlin (2016), (sound & stage design 2017–present:) Alfred ve Dvore. Exhibition projects 2013–2015: Salon Hünenberger, Berlin

press release | english version

Es ist Erkenntnis im Material der Farben und Konturen, und je größer [das Kunstwerk] ist, desto mehr nähert es sich der Transparenz des letzten Gedächtnisbildes an, in dem sich die Züge der „Geschichte“ zusammenschließen. – Siegfried Kracauer

Wenn Thomas Helbig in einer früheren Einzelausstellung in der Galerie Guido W. Baudach im Jahr 2020 mit odem-artigen Formgebungen vor einem kosmisch anmutenden Hintergrund an die Grenzen des Darstellbaren in der Malerei gegangen ist, so bewegt er sich mit Anciens Régimes nun in die vermeintlich entgegengesetzte Richtung, die der Figuration. Zu sehen sind unter anderem anonyme Portraits von Menschen in historischer Kleidung, die an das Rokoko erinnert. Gemeinsam ist ihnen ihre offene, uneinheitliche Form: Ein Kopf ist verschoben, passt nicht zum Körper, ein Gesicht ist teilweise verwischt, der Körper dehnt sich mutierend in den Umraum aus oder wird von diesem durchbohrt. In einem weiteren Bild scheint der Leib aus dem Bildgrund heraus ins Licht gezogen zu werden, das Gesicht wird gleichsam zu dessen Verkörperung, zum Gestirn. Nicht umsonst geht der Begriff Porträt auf das lateinische Wort prō-trahere für ‚ans Licht bringen‘ und ‚hervorziehen‘ zurück.

Die Überblendung von Malerischem und Dargestelltem ist bei Helbig umfassend und essentiell. So können die abstrahierten Bildräume, die Helbigs malerisches Werk spätestens seit den Nullerjahren durchziehen, als das uns umgebende Weltall wie als Kosmos der Malerei an sich betrachtet werden, in derer beider Manifestationen ein stetiges Werden und Vergehen inbegriffen ist. Dahingehend lassen sich auch die in Helbigs Bildern immer wieder auftauchenden, oft behandschuhten Hände deuten. Hände stehen sinnbildlich für Schaffenskraft und Herrschaftswillen; denken wir nur an die sich vor dem himmlischen Umraum berührenden Hände von Gott und Mensch in Michelangelos Darstellung der Erschaffung Adams. Zugleich sind es die Hände, die in Werken des Barock, aber auch der Moderne und der Gegenwart andeuten, wie Künstler*innen ihre Arbeit in der Spannung zwischen geistigem Entwurf und konkreter Ausführung reflektieren. Angesichts dieser ikonographischen Engführung von Kopf und Hand ist es bemerkenswert, dass die Hand bei Helbig meist getrennt vom restlichen Körper, wenn nicht sogar als vereinzeltes Element auftaucht. Derart losgelöst, vermag sie ganz in ihrer deiktischen Symbolik aufzugehen. In diesem Sinne verweist die herrschaftsbefreite Hand auf den abstrakten, unendlichen Raum ebenso wie auf das Material der Farben und Konturen, von denen, um mit dem eingangs zitierten Siegfried Kracauer zu sprechen, eine eigene Erkenntnis ausgeht. Laut Kracauer muss für die Darstellung einer überzeitlichen Bedeutung der bloße Oberflächenzusammenhang zerstört werden, denn: „Auch das Kunstwerk zerfällt in der Zeit; doch aus seinen zerbröckelten Elementen steigt das mit ihm Gemeinte auf[.]“

Wo die selbstständige Hand geradezu harmonisch in den Allraum der Malerei eingeht, drängt sich bei den verschiedenen Körpergliedern, die in Helbigs Wandobjekten anzutreffen sind, der Eindruck einer bewussten Zerstückelung in den Vordergrund. Zwischen barocker und technoider Anmutung breiten sich die dunkel lackierten, mit teils wuchtigen Ornamenten verzierten Assemblagen flügelartig aus. Die plastischen Körperteile wie Bein, Kinderfuß oder Finger – durchweg Fundstücke aus der Spielzeug- und Deko-Welt – sind in diese hinein drapiert. Je nach Stilisierungsgrad wirken sie wie Zierrat oder wie Reliquien eines sinistren Kultes mit Praktiken ähnlich denen, wie sie in Marquis de Sades Erzählung Die 120 Tage von Sodom oder in David Cronenbergs Film Crash auftauchen.

Man könnte versucht sein, die Gemälde und Plastiken von Thomas Helbig als Ausdruck eines dichotomen Weltbildes zwischen Ordnung und Chaos, Gut und Böse aufzufassen. Doch wäre dies nicht nur zu kurz gegriffen, sondern ein Missverständnis, da Helbigs künstlerische Praxis keineswegs mit einer Moral des Entweder/Oder verbunden ist. Statt entsprechenden Vorgaben, sprich: Regimen, zu folgen, sträuben seine Arbeiten sich gegen jegliche Verkürzung ihres Kontextes. Gleichzeitig weisen sie in dem für sie so charakteristischen Amalgam aus formalen wie inhaltlichen Fragmenten der Kunst- und Kulturgeschichte eine ganz eigene Poesie von spezifischer Bildmächtigkeit auf.

– Cora Waschke

 

INTELLIGENCE book

  • 2 Sep. | '2024

INTELLIGENCE
Andrew Gilbert, Thomas Helbig, Erwin Kneihsl, zeitblom

Berlin 2024

 

Texte / texts | Cora Waschke (Hg.)
Fotos / photos | Roman März
Grafik Design / graphic design | Bobby Fleisch

80 Seiten / pages, 42 Farbabbildungen / color prints
ISBN 978-3-00-078587-0 | order it here: info@corawaschke.de

 

Buch-Vorschau / book preview

Ausstellung / exhibition INTELLIGENCE  01.09. – 22.9.2023
Giesebrechtstraße 6 | Berlin-Charlottenburg
Kuratiert von Cora Waschke

INTELLIGENCE

part II

Andrew Gilbert  Thomas Helbig  Erwin Kneihsl  zeitblom

 

FINISSAGE

Exhibition + Book 

curated and edited by Cora Waschke

 

14/9/2024

6 – 9 pm

 

argent | Richard-Sorge-Straße 64 | 10249 Berlin

INTELLIGENCE part II

Andrew Gilbert, Thomas Helbig, Erwin Kneihsl, zeitblom

 

Book Release + Exhibition

 

curated & edited by Cora Waschke

 

 

 

 

argent | 7/7/24 · 4 – 9 pm
Richard-Sorge-Straße 64
Berlin-Friedrichshain

LAURA SOISALON-SOININEN Double Walk | part II

„Ich erinnere mich gut daran, wie ich als kleines Mädchen meinen Freunden auf Deutsch sagte, dass ich in 11 Tagen zurück nach Finnland gehen werde. Der Hinterhof des Kindergartens, auf denen wir mit unserer Erzieherin, einer evangelischen Nonne, rannten und sangen, war voller Bäume und Nüsse.

Ich habe mir vorgenommen, mindestens 11 Tage lang 4 – 11 Ahornblätter vom Boden aufzusammeln, während ich in der Stadt und auf dem Friedhof neben dem Kunstraum argent herumlaufe. Ich markiere die Tage mit Eicheln. Jeden Tag hebe ich die Blätter auf, stecke sie in meine beiden Taschen und lege sie in einer runden Form auf den Boden. Die genähte Runde vom Vortag nähe ich mit der von vorgestern zusammen. Ich beende den Tag, indem ich die frisch gepflückten Blätter zusammennähe.

Ich gehe am Landwehrkanal und an der Spree entlang und zähle im Geiste die Schritte. Beim Gehen trage ich Briefe, die mein Urgroßvater während seines Aufenthalts in der Stadt vor fast zehn Jahrzehnten erhalten hat. Sie sind in einen gefalteten Stoff eingewickelt und befinden sich in einer Tasche. Ich zähle die Schritte der Wasserwege von ihrer Teilung bis zu ihrer Vereinigung. Ich zähle auch die Entfernung von einem Fluss zum anderen in der Stadtmitte entlang der Markgrafenstraße, einer Straße, von der aus die Briefe verschickt wurden.“

Laura Soisalon-Soininen (*1982, Helsinki, Finland)

full text

 

„I clearly remember as a little girl telling my friends in German that in 11 days I will leave back to Finland. The backyard of the kindergarten, where we ran and sang with our teacher, a Protestant nun, was full of trees and nuts.

I set a rule for at least 11 days to pick up 4-11 maple leaves from the ground while walking around the city and the cemetery next to the art space argent. I mark the days with oak nuts. Every day I pick up the leaves, put them into my two pockets, and place them into a round shape on the floor.  The sewn round from the day before I sew together with the day before yesterday. I finish the day by sewing together the freshly picked leaves.

I walk along the Landwehrkanal and the river Spree with steps counted in my mind. While walking I carry letters received by my great grandfather during his stay in the city nearly ten decades ago. They are wrapped inside a folded fabric inside a bag. I count the steps of the water paths from their division to their unity. 
I also count the distance from one river to another from the city Mitte along Markgrafenstrasse, a street, where the letters were sent from.“

Laura Soisalon-Soininen (*1982, Helsinki, Finland)

 

Richard-Sorge-Straße 64
Berlin-Friedrichshain

Laura Soisalon-Soininen

Double Walk | part II
21/1/2024 | 2 – 6 pm